Es ist mal wieder passiert: Ich habe mich über einen Film geärgert. Hätte aber genauso auch ein Buch sein können.

(Foto: kommunales-kino-pforzheim.de Kristin Scott Thomas und Sergi Lopez)

Ich sah neulich im Fernsehen den französischen Film „Die Affäre“ der französischen Regisseurin Catherine Corsini. Der Film ist grundsätzlich wunderbar gemacht: französischer Süden, eindrucksvolle Darsteller, große, echte Gefühle.

Kristin Scott Thomas spielt die leicht frustrierte Hausfrau und Mutter Suzanne, die wieder ins Berufsleben einsteigen will. Beim Umbau des Hauses verliebt sie sich in den spanischen Bauarbeiter Ivan (Sergi López).

Sie haben eine leidenschaftliche Affäre, von der sie auch ihrem Ehemann erzählt. Es gibt gewalttätigen Ehestreit, Suzanne zieht aus, bekommt keine Arbeit, der Ehemann sperrt die gemeinsamen Konten. Suzanne sieht sich gezwungen, wieder nach Hause zu ihrem Mann zu ziehen, obwohl sie Ivan weiter liebt. Am Schluss erschießt sie ihren Ehemann mit einem Gewehr.

Mir war klar, hier habe ich es mit einer schönen französischen „amour fou“, einer verrückten Liebe(sgeschichte)  zu tun – aber ich kam emotional in der zweiten Hälfte des Films nicht ganz mit.

Wie im Kasperletheater saß ich vorm Fernseher und gröhlte: „Ruf einen Rechtsanwalt an, Frau! Warum rufst du nicht einen Rechtsanwalt an? Dann bekommst du Alimente und musst auch deinen doofen Mann nicht erschießen.“

Es hatte mich schlicht aus der Kurve getragen, ich konnte dem Film nicht mehr mit Empathie folgen.

Fernsehen mag ja oft blöd sein, aber manchmal gibt es da gute Ideen, die Autoren beim Schreiben weiterhelfen. Oft geht es nur um ein, zwei Sätze.

(Foto: fiftiesweb.com, Tom Sellek als Magnum mit seinen Freunden Larry Manetti als Orville „Rick“ Wright (links) und Theodore Calvin als T.C.)

In der TV-Serie „Magnum“ ließen  die Autoren immer den Barbesitzer und Freund Rick auftreten, wenn es Stoffprobleme gab. Rick fragte dann immer genervt „Magnum, warum hast du nicht einen Rechtsanwalt gefragt?“ Dann konnte Magnum kurz oder lang und breit erklären, warum das nicht ging – und die Sache war (meistens) im Lot.

Die „Shrek“-Autoren Terry Rossio & Ted Elliott  nennen diese skeptische Figur, die den Helden wegen seiner unlogischen Handlungsweise konfrontiert, sogar „die Rick-Figur“ – nach Rick in „Magnum“.

Kleiner Dreh, große Wirkung.

Habt ihr andere Beispiele?

Wobei es ja auch noch die Unterdrückung der Ungläubigkeit gibt, „suspension of disbelief“, aber davon ein anderes Mal.

Kathrin Sebens

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