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Das Problem für Autoren ist schon ziemlich alt: “Na, das war ja Super!” Gesprochen kann man jede Bedeutung hineinlegen – aber wie im Text zeigen, dass das eine sarkastisch gemeinte Bemerkung war?
Das Problem mit dem Sarkasmus, den vielleicht keiner merkt, wird immer akuter, seit wir soviel schriftlich im Netz kommunizeren, sie es per Mail, in Foren oder auf Twitter.
Christoph Stutz greift heute in der Süddeutschen Zeitung SZ auf, was schon seit Jahren im Gespräch ist. Seit Jahren? Ach ewig: Der Maler Henry Denham hat es im 16. Jahrhundert versucht – er wollte mit vertikal gespiegelten Fragezeichen das Sarkasmus-Problem lösen (vertikal eingespiegelt ??). Karl Marx soll später ein mit Klammern umschlosseses Ausrufezeichen (!) verwendet haben, schreibt Stutz.
Im Netz gibt es nun schon seit einiger Zeit neue Bemühungen, wie man sich per Mail oder Twitt etwas klarer ausdrücken kann – man muss nur in der Suchmaschine seiner Wahl (!) “Sarcastic Font” eingeben.
Da gibt es z.B. das oben gezeigte “Sarcmark” – für die Software musste man bisher $ 1.95 Dollar berappen – derzeit gibt es sie sogar umsonst: Sarcmark
Bleibt dann aber immer noch das Problem, dass ich den Leuten (noch) erklären muss, was ich mit
eigentlich meine.
Bei Sartalics hat man einen anderen Weg beschritten: Alles, was sarkastisch gemeint ist, wird mit der Sartalics-Programmierung nach kursiv, also schräg nach links gestellt – auf youtube.com wird´s erklärt:
Die Sartalics-Leute organisieren sogar einen “Twitterblitz”, damit die Großen wie Google oder Twitter ihre Schrifttype einbinden.
Wird´s was nützen?
Beim letzten Mal habe ich darüber geschrieben, wie leicht es passiert, dass wir beim Lesen oder Zuschauen Dinge hinterfragen, die uns da auf den Seiten eines Romans und in Kino oder Fernsehen entgegenkommen. (s. meinen letzten Blog:
Hätte die Heldin nicht mit einem einzigen Telefonanruf das Missverständnis klären können, das uns jetzt die nächsten 100 Seiten an Konflikt einbringt (wohl eher der Autorin
)? Da sei man auf der Hut beim Schreiben.
Es gibt allerdings Dinge, da wollen wir glauben:
(Foto: filmfreek.de)
Mal ehrlich, wie blöd muss die kluge Reporterin Lois Lane sein, um nicht den Helden Superman in ihrem etwas tolpatschigen Kollegen Clark Kent zu erkennen? Wo soll es denn den Planeten Krypton geben, bitte?
(Foto: cineclub.de)
Und wie soll das bittschön funktionieren, dass ein Teenager, nachdem er von einer Spinne gebissen worden ist, plötzlich Wände hochklettern kann?
Hier funktioniert “suspension of disblief”, wie der englische Dichter Samuel Taylor Coleridge es genannt hat: Man parkt einfach für eineinhalb Stunden oder für 400 Seiten seine Ungläubigkeit vor der Haustür. Wir möchten uns eben für die Dauer eines Romans oder eines Films nicht unseren Kunstgenuss durch schnöde Logik oder Wissenschaft verderben lassen.
Dann sei es eben so, dass Spidey senkrechte Wände hochklettern kann und Superman vom Krypton gekommen ist, um uns immer wieder zu retten. Und Lois hat eben die Augen verkleistert, weil sie in Superman verschossen ist.
Der stark wissenschaftlich aufgemachte Artikel bei Wikipedia namens “Willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit” ist hier zu finden: http://de.wikipedia.org/wiki/Willentliche_Aussetzung_der_Ungl%C3%A4ubigkeit
Es ist mal wieder passiert: Ich habe mich über einen Film geärgert. Hätte aber genauso auch ein Buch sein können.
(Foto: kommunales-kino-pforzheim.de Kristin Scott Thomas und Sergi Lopez)
Ich sah neulich im Fernsehen den französischen Film “Die Affäre” der französischen Regisseurin Catherine Corsini. Der Film ist grundsätzlich wunderbar gemacht: französischer Süden, eindrucksvolle Darsteller, große, echte Gefühle.
Kristin Scott Thomas spielt die leicht frustrierte Hausfrau und Mutter Suzanne, die wieder ins Berufsleben einsteigen will. Beim Umbau des Hauses verliebt sie sich in den spanischen Bauarbeiter Ivan (Sergi López).
Sie haben eine leidenschaftliche Affäre, von der sie auch ihrem Ehemann erzählt. Es gibt gewalttätigen Ehestreit, Suzanne zieht aus, bekommt keine Arbeit, der Ehemann sperrt die gemeinsamen Konten. Suzanne sieht sich gezwungen, wieder nach Hause zu ihrem Mann zu ziehen, obwohl sie Ivan weiter liebt. Am Schluss erschießt sie ihren Ehemann mit einem Gewehr.
Mir war klar, hier habe ich es mit einer schönen französischen “amour fou”, einer verrückten Liebe(sgeschichte) zu tun – aber ich kam emotional in der zweiten Hälfte des Films nicht ganz mit.
Wie im Kasperletheater saß ich vorm Fernseher und gröhlte: “Ruf einen Rechtsanwalt an, Frau! Warum rufst du nicht einen Rechtsanwalt an? Dann bekommst du Alimente und musst auch deinen doofen Mann nicht erschießen.”
Es hatte mich schlicht aus der Kurve getragen, ich konnte dem Film nicht mehr mit Empathie folgen.
Fernsehen mag ja oft blöd sein, aber manchmal gibt es da gute Ideen, die Autoren beim Schreiben weiterhelfen. Oft geht es nur um ein, zwei Sätze.
(Foto: fiftiesweb.com, Tom Sellek als Magnum mit seinen Freunden Larry Manetti als Orville “Rick” Wright (links) und Theodore Calvin als T.C.)
In der TV-Serie “Magnum” ließen die Autoren immer den Barbesitzer und Freund Rick auftreten, wenn es Stoffprobleme gab. Rick fragte dann immer genervt “Magnum, warum hast du nicht einen Rechtsanwalt gefragt?” Dann konnte Magnum kurz oder lang und breit erklären, warum das nicht ging – und die Sache war (meistens) im Lot.
Die “Shrek”-Autoren Terry Rossio & Ted Elliott nennen diese skeptische Figur, die den Helden wegen seiner unlogischen Handlungsweise konfrontiert, sogar “die Rick-Figur” – nach Rick in “Magnum”.
Kleiner Dreh, große Wirkung.
Habt ihr andere Beispiele?
Wobei es ja auch noch die Unterdrückung der Ungläubigkeit gibt, “suspension of disbelief”, aber davon ein anderes Mal.
Genauso interessant wie Figuren sind Archetypen.
Manchmal lese ich Figuren in einem Roman, die wirken einfach flach, wie aus altem Papier ausgerissen.
Und dann begegnen mir wieder in einem ganz simplen Geschichte wie “Schlaflos in Seattle“ eine Figur, die ich witzig finde. (Ich werde hier im Blog vor allem auch Filmbeispiele benutzen, weil die schicht weiter bekannt sind).
(Foto: http://www.altfg.com)
Warum es in “Sleepless” komische Archetypen gibt, dazu mehr im nächsten Blog.
Manchmal treten sie wirklich nur für eine kurze Zeit auf, haben eine Szene. Und trotzdem sind sie wichtig.
Der Grund, warum diese Figuren bei uns so einen Eindruck, vielleicht auch nur unbewusst, hinterlassen: Sie sind sogenannte Archetypen.
Mehr dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Archetypus
Setze ich sie beim Schreiben in einer Geschichte ein, bekommt sie in jedem Fall mehr Tiefe.
Ein Archetyp ist erst zuerst einmal eine Rolle, die eine bestimmte Figur in einer Geschichte spielt. C.G. Jung sagte, Archetypen sind Teil des kollektiven Unbewussten http://de.wikipedia.org/wiki/Kollektives_Unbewusstes, etwas, das alle Menschen gemeinsam haben, egal, aus welcher Kultur sie kommen.
Deshalb können wir sie als Autoren auch so gut gebrauchen. Es gibt einer Figur einen stärkeren Hintergrund und eine größere Bedeutung, als wenn es einfach nur eine alte Frau ist, die der Heldin einen Apfel mitgibt.
(Foto: fr-online.de)
Wer mehr über Archetypen erfahren will:
Damit haben sich z.B.
C.G. Jung http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustav_Jung
und der Mythenforscher Joseph Campbell http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Campbell
befasst.
In loser Folge werde ich auf www.autorencafe .com ein bisschen über Archetypen bloggen.
Wo geht´s los?
Natürlich mit der Hauptfigur, dem Helden und der Heldin:
Held – Heldin
Mit ihr/ihm wollen wir uns als Leser identifizieren, mit seinen/ihren Stärken und Schwächen – und mit dem, was er oder sie lernt.
Hier möchte ich kurz sagen, dass für mich der Held/die Heldin nicht gleich jemand ist, der heldenhaft handelt – es ist für mich im weiteren einfach die Hauptfigur, die Protagonistin.
Und es gibt oft den Anti-Helden : z.B. Rick in Casablanca:
(Foto: doktormacro.com)
Rick ist nicht jung und schön, und er ruft auch nicht gleich: “Wo ist das Schwert für die nächste Aventiure!” Zunächst.
Noch Fragen und Vorschläge?
Keiner weiß irgendwas? Und das sollen Schreibtipps sein?!
Nobody Knows Anything ist ein Satz aus den sehr empfehlenswerten Memoiren “Adventures In The Screentrade” des Hollywood-Autors William Goldman:
(Foto: wikipedia.com)
Wer sich dafür interessiert – sein Buch hat es übrigens sogar zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht:
http://en.wikipedia.org/wiki/Adventures_in_the_Screen_Trade
Wenn der Autor von einem so einem bestechenden Werk wie dem Watergate-Thriller “All The Presidents Men” (“Die Unbestechlichen” mit Dustin Hoffman und Robert Redford) und “Butch Cassidy und Sundance Kid” das sagt, will das schon was heißen.
Im Ernst: Wer jetzt vor seinen Ordnern, Fotos, Notizen, Tagebüchern und einer Menge Ideen sitzt, hat verdammt viele Möglichkeiten – und das Schöne ist: Keine ist falsch!
Wie die amerikanische Autorin und Schreib-Coach Holly Lisle
sagt: Man kann eine Idee aus ganz verschiedenen Richtungen her ausarbeiten:
z.B. vom Aufbau her
von einer Struktur (z.B. 365 Rezepte in 365 Tagen)
von den Figuren
von einer Welt (man denke an Harry Potter)
- und von ganz vielen anderen Blickwinkeln.
Meistens arbeite ich jetzt an mehreren “Arbeitstischen” gleichzeitig:
Ich habe eine Figur im Kopf und fange an, zu recherchieren. Sie soll z.B. Jurist sein. Jetzt merke ich bei der Recherche, “hey, die meisten Juristen sind ganz anders, als ich mir meine Figur gedacht habe”. Ändere ich ihn – oder wird er gerade dadurch, dass er anders als der Rest seiner Profession ist, so interessant?
Zum Thema Figuren, habe ich bereits ein paar Blogs geschrieben – einer der Wege, sich seinen Figuren zu nähern, ist z.B. das Enneagramm:
Die erste Folge findet sich hier:
Die Autoren-Geister scheiden sich ja in Vielem beim Schreiben, so auch bei der Wahl der Mittel zu diesem Zeitpunkt:
Es gibt grob gesehen zwei Lager:
Die Intuitiven, die einfach losschreiben und gucken, was passiert (ich persönlich habe eine Datei dafür, die ich “Doodle” nenne, einfach herumspielen). Und dann gibt es die Planer, auch Plotter (von Plot = Handlung) genannt. Sie planen jetzt die Struktur der Geschichte.
Ein gewisser Bauplan empfiehlt sich sich übrigens – beim Schreiben eines Romans ist es ein bisschen wie beim Hausbau -ohne Bauplan könnte man feststellen, dass es keine Tür zum Garten oder – oh Gott! – kein Klo gibt).
Ich will hier erst mal nur einen Überblick über die vielen Wege zum Plot geben. Deshalb hier erst mal ein paar Links zu den Hauptwegen, einen Plot zu bauen.
Zuerst zu Plot/Handlung bei Wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/Handlung_(Erz%C3%A4hlkunst)#Grundformen_der_Handlung
Dann ist da die 3-Akt-Struktur, die nicht nur für Theaterstücke, sondern auch für Romane gilt. Autor Write-x schreibt zwar, wie er sagt, noch nicht so lange, aber seine Abbildung des 3-Akt-Modells ist finde ich , schön anschaulich:
http://pagewizz.com/storyaufbau-mit-der-drei-akte-struktur/
Dann gibt es die uralte Reise des Helden, bekannt geworden durch den Mythenforscher Joseph Campbel und den Filmemacher George Lucas, der sie für seine Star Wars-Filme verwandt hat. So gut wie jeder Disneyfilm basiert übrigens auch darauf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heldenreise
Gibt´s noch andere Handlungsmodelle, die ihr empfehlt und mit denen ihr gute Erfahrungen gemacht habt?
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Leser und Blogger Stephan Waldscheidt (www.schriftzeit.de) hat in einem Kommentar zu einem meiner Blogs über alte Komödien (Screwballs-Comedies) etwas sehr Richtiges gesagt:
“Das Schöne an Drehbüchern oder Filmen: Viele wichtige Marker im Text, wie etwa Wendepunkte, lassen sich in der im Vergleich zum Roman knapperen Form viel leichter erkennen. Gerade Hollywood-Filme gehorchen häufig den immer gleichen Mustern, die man so wunderbar erkennen kann.
Und wenn man bei einem guten Film noch was fürs eigene Schreiben lernt, umso besser.”
Ich sehe das genauso.
Deshalb hier ein paar weitere Links zu Quellen, wo man sich als Autor auch von Romanen ein paar neue Ideen holen kann:
Da ist zum einen die riesige Drehbuch-Plantage
Hier gibt es alles: Drehbücher von A-Z, das gleiche für TV-Drehbücher. Wer wissen will, wie “Two And A Half Men” oder “Alien” funktioniert, ist hier richtig. Die Formen sind verschieden: Oft erwischt man eine pdf.-Version eines Original-Scripts, manchmal hat sich “nur” jemand die enorme Arbeit gemacht, alles haarklein mitzuschreiben.
In Deutschland gibt es da leider nicht so viel.
http://www.zweitausendeins.de/catalogsearch/result/?q=drehbuch&cat=
hingewiesen. Bei Zweitauseneins gibt es z.B. eines der besten Bücher über´s Schreiben (nicht nur über das Schreiben von Filmen):
Christopher Voglers “Die Odyssee des Drehbuchschreibers”.
Vogler ist einer der Vertreter der Dramentheorie der “Reise des Helden” nach den Forschungen des Mythenforschers Joseph Campbell. Voglers absolut wissenswertes Buch gibt es leider nicht im normalen Buchhandel, deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, mal die Seite von Zweitausendeins zu besuchen.
Noch andere Tipps mit Seiten im Netz für Autoren, die Ihr geben würdet?














