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Wie sich an seine Figuren heranwagen? Manchmal hilft es, sich als Hilfe ein paar Systemen zu bedienen. Eines davon ist das Enneagramm, das ich hier in einer kleinen Blogreihe vorstellen möchte, wenn es darum geht, Figuren zu schaffen.

Nur kurz noch einmal zum Enneagramm: Es baut auf neun verschiedene Persönlichkeitsmuster und ihre Beziehungen zueinander auf. Der Name stammt aus dem Griechischen; ennea ist das griechische Wort für “neun”, gramma heißt “Modell”.

Nach dem Enneagramm hat jeder Mensch eine bestimmte Weltsicht – es betrachtet die Welt durch einen entsprechenden Filter, dazu entsprechend wird dem Menschen dann eine der neun Zahlen zugeordnet.

Heute geht es um Typ Vier, den Romantiker, Künstler und Individualisten.

TYP VIER, der Romantiker, der Künstler, der Individualist

Das sind Menschen, die das Drama lieben, auch Tragödien – und sie verlieben sich gerne. Sie haben vor Gefühlen überhaupt keine Angst, weil sie GROSSE Gefühle haben. Normal oder gewöhnlich zu sein, ist nicht ihr Ding – das wäre einfach zu flach. Sie schaffen wundervolle Visionen, wie das Leben sein könnte, ja wie es sein sollte. Manchmal stellen sie es sich richtig plastisch vor und ergötzen sich am Drama. Nichts ist großartig genug, lang genug, prächtig genug.

König Ludwig II. von Bayern mit seinem Neuschwanstein ist ein typischer Vierer (Foto: de.wikipedia.org)

Vierer träumen von der perfekten Liebe. Sie sind in ihrem Element, wenn es darum geht, einem bei Liebeskummer beizustehen.

(Foto: allmystery.de)

Michael Jackson ist ein typischer Vierer, genauso wie Prince:

(Foto: superfly.fm)

Auch ein Vierer mit einem dramatischen Leben ist die Schauspielerin und Sängerin Judy Garland:

Judy Garland als Dorothy im Zauberer von Oz (Foto: kolibri-imageberatung.de)

Der Fatale Fehler der Vierer ist: Neid

Diese Romantiker denken oft, das Leben wäre soo viel besser, wenn es nur ihrem idealen Skript folgen würde. Wenn es das nicht tut, beneiden sie die wundervolle Vision, die sie bei sich davon geschaffen haben. Vierer sorgen sich darum, verlassen zu werden, und dass ihr Leben irgendwie unzulänglich ist.

Großes Konfliktpotential haben wir, wenn ein Vierer denkt, dass er oder sie irgendwie etwas zu verlieren droht, das er braucht, um sich wohl zu  fühlen. Und merke: ein Vierer hat viel davon.

Ein klassischer Vierer ist die Figur Blanche Dubois in Endstation Sehnsucht von Tennessee Williams.

Vivien Leigh in der Verfilmung des Tennessee Williams-Stücks als Blance Dubois (Foto: sojourner-in-the-21.com)

Die einstige Südstaaten-Schönheit Blanche hat bei ihrer Schwester Stella Zuflucht gefunden, nachdem der Südstaatenbesitz versteigert wurde und sie auch noch ihre Stelle als Lehrerin verloren hat. Konflikte gibt es zuhauf, vor allem, weil Blanche nicht mehr zwischen Realität und Illusion unterscheiden kann.

Auch Blanches Schöpfer, Tennessee Williams, ist ein Vierer:

(Foto: fotobucket.com)

Gibt es noch andere “klasissische” Vierer, die euch einfallen? Kommentare?

Ich bekomme einmal die Woche den ziemlich praktischen Newsletter Publisher´s Marketplace:

http://www.publishersmarketplace.com/

Es kostet zwar was, aber manchmal lohnt es sich.

So wie heute:

Ich habe schon Briefromane und E-Mail-Romane gelesen. Ich kenne auch einen Jugendroman, der nur aus SMS besteht. Er hat es (noch nicht) auf den deutschen Markt geschafft, ist ahalt tatsächlich  ziemlich kleinteilig zu lesen.

Eine Autorin, die ich kenne, erzählte mir am Wochenende, sie hätte schon letztes Jahr ein Exposé über einen Roman in Blogs und Twits zu einem großen deutschen Verlag geschickt – bislang scheint ihr Projekt an dem Ort zu sein, den amerikanische Drehbuchautoren so sprechend „Development Hell“ nennen. Keine Lösung in Sicht, dass das Projekt in nächster Zeit veröffentlicht wird. Wie gut, dass die Kollegin exzellent auf anderen Kanälen schippert.

Da kommt dann heute auf Publisher´s Marketplace ein Beispiel, wie man Social Media (also Facebook, Twitter, Xing und Co.) noch weiterdrehen kann.

Lektor Tom Bouman vom amerikanischen Verlag Houghton Mifflin Harcourt war auf Facebook unterwegs und wurde fündig:

Er stieß auf die Facebook-Seite 420 CHARACTERS. (Anmerkung: Bei Facebook hat man genau 420 Zeichen, um etwas über sich in das Profil zu schreiben).

http://www.facebook.com/group.php?gid=125303967480048

In der Beschreibung der Gruppe heißt es: „420 Characters ist eine Kreativ-Schreib-Gruppe, in der die Mitglieder Kurzgeschichten mit 420 Zeichen schreiben, die genau in einen einzelnen Profil-Eintrag passen.“

Hier die genaue Gebrauchsanweisung:

„To write your story type it into your profile status and press “share”. If shorter than 420 it will get posted. Then copy + paste it over to this group. If over 420 fb will give you the following message “Status too long” so edit it until it fits.“

Ja, was soll ich sagen: Tom Bouman hat sich erst mal das Vorkaufsrecht auf die Kurzgeschichten-Sammlung gesichert, Erscheinungstermin soll Herbst 2011 sein.

Wäre das eine Idee für eine deutsche Version? Wäre doch zu überlegen, oder?

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